8. Oktober 2013 Autor: Dr. Manfred Stahl

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  • Asercom-Statement zum geplanten Verbot des Kältemittels R404A
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Asercom-Statement zum geplanten Verbot des Kältemittels R404A

In einem Statement kritisiert der europäische Verdichterverband Asercom die jüngsten Ziele des EU-Umweltausschusses, bei der Novelle der F-Gase-Verordnung die Kältemittel R404A und R507 quasi ersatzlos zu verbieten. Ein solches Verbot könnte die Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemmissionen konterkarieren, so der Verband.

Asercom-Präsident Claude Blanc Asercom-Präsident Claude Blanc (Abb. Asercom) Ein erklärtes Ziel der EU-Kommission bei der Überarbeitung der F-Gase-Verordnung ist ein Verbot von Kältemitteln mit hohen GWP-Werten (Global Warming Potential = Treibhauspotenzial). Dieses Verbot betrifft zum Beispiel die Kältemittel R404A und R507 mit GWP-Werten von mehr als 2.500 kg CO2 pro kg Kältemittel. Ein GWP-Wert von 2.500 ist im aktuellen Vorschlag zur Neufassung der F-Gase-Verordnung als Grenzwert definiert.

Einerseits begrüßt und unterstützt Asercom die von der EU geplanten Ziele zur Verringerung von Treibhausgasen aus Emissionen von F-Gasen. Andererseits betont der Verband aber die Notwendigkeit, bei der Bewertung geeigneter Alternativkältemittel einen ganzheitlichen Ansatz anzuwenden. Dabei ist das direkte Treibhauspotenzial eines Kältemittels (GWP-Wert) zwar ein wichtiges Kriterium, aber die indirekten Treibhauseffekte (durch den Stromverbrauch der Kälteanlage) sowie Aspekte der Sicherheit, Produkthaftung und Energieeffizienz müssen ebenso berücksichtigt werden.

Die vorgeschlagenen Alternativen für R404A und R507 in gewerblichen Kälteanlagen betreffen HFKW-Kältemittel mit GWP-Werten unter 2.500 (R410A, R407C, R134a und Mischungen) sowie HFO (Hydrofluoroolefine, zum Beispiel 1234yf), CO2 und Kohlenwasserstoffe (Propan, Butan). Jedes dieser alternativen Kältemittel hat seine eigenen Stärken in bestimmten Bereichen, aber keines von ihnen kann als universeller Ersatz für R404A in allen Anwendungen betrachtet werden. Wegen spezifischer Besonderheiten der meisten potenziellen Alternativkältemittel können diese laut Asercom nur in speziell dafür ausgeführten Anlagen verwendet werden. Dadurch werden Umrüstungen von bestehenden Kälteanlagen auf alternative Kältemittel besonders stark eingeschränkt. Darüber hinaus erfordert die Wartung eine spezielle Ausbildung und Fähigkeiten in Bezug auf Handhabung und Sicherheitsbestimmungen, die im Allgemeinen nur dann sichergestellt werden können, wenn der Branche ausreichend Zeit für eine entsprechende Anpassung gegeben wird. Dazu Asercom: "Verbote können nachteilige Auswirkungen darauf haben, die Reduktionsziele zu erreichen. Die Märkte könnten zu Lösungen gezwungen werden, die die direkten Emissionen von F-Gasen zwar reduzieren, aber zu höheren indirekten CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch führen."

In dieser Hinsicht lehnt Asercom weitere Verbote zusätzlich zu dem aktuellen Vorschlag für Kältemittel mit einem GWP über 2.500 für die stationäre Kältetechnik ab und begrüßt die Öko-Design-Ausrichtung. Diese ist zwar Teil des Vorschlags der EU-Kommission, wurde jedoch im Umweltausschuss des EU-Parlaments bislang nicht berücksichtigt. Ein Phase-Down-Szenario (stufenweise Verringerung) für HFKW-Kältemittel würde laut Asercom die Bedürfnisse des Ersatz- und Servicegeschäfts besser berücksichtigen als ein striktes Verbot.

Um die ehrgeizigen Ziele der EU zur Verringerung der Treibhausgasemissionen zu erreichen, unterstützt Asercom in hohem Maße die verstärkte Verwendung von „Low-GWP-Alternativen“ dort, wo diese bereits sinnvoll eingesetzt werden können und mindestens das gleiche Maß an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Energieeffizienz aufweisen wie die derzeitigen Kältemittel mit hohen GWP-Werten. "Ein aggressives Verbot bezüglich der Wartung von Anlagen, wie im Vorschlag der EU-Kommission und im Bericht des Umweltausschusses dargestellt, wird zu Stress im Markt und auch unter Berücksichtigung der gesamten Lebenszyklusaspekte zu negativen Auswirkungen hinsichtlich der gewünschten Emissionsminderungen führen", prognostiziert der Verband und erklärt wie folgt:
Durch Verbote wird der Markt entweder zu Technologien gedrängt, die noch nicht ausgereift sind, oder sieht sich gezwungen, Systeme nach extrem kurzen Lebenszyklen zu ersetzen. Beides birgt die Gefahr von zunehmenden anstatt abnehmenden Emissionen im Gegensatz zu einem adäquat angelegten Phase-Down (stufenweiser Ausstieg). HFO-Kältemittel und deren Gemische können in Zukunft zu praktikablen Optionen werden. Solange jedoch die Bedingungen der unbegrenzten HFO-Verfügbarkeit auf dem Markt, die Umsetzung in die europäische Normung und eine weit verbreitete Verfügbarkeit von qualifizierten Komponenten nicht gegeben sind, können diese Kältemittel nicht als Basis für Verbote oder Phase-Down-Szenarien zugrunde gelegt werden.

Asercom ist der Verband der europäischen Hersteller von Komponenten für die Kälte- und Klimatechnik und hat derzeit 26 Mitglieder.

Artikelnummer: cci17902
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Kommentare (2):

Sehr guter Beitrag!
Leider wird hier, wie auch in anderen deutschen Übersetzungen, "Phase-Down" falsch übersetzt. Stufenweise Verringerung oder Reduzierung, wären korrekt.
Joachim Gerstel 08.10.2013
Danke für den Hinweis, wir haben den Text entsprechend präzisiert.
Volker Jochems, cci Dialog GmbH 08.10.2013

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