cci Forum - Qualifizierter Erfahrungsaustausch für die LüKK

zurück
1 Antworten
Neue Antwort
03.11.2011 - 9.45 Uhr
Kondensat aus Klimaanlagen weiter nutzen?
Haben Sie schon einmal daran gedacht, das in Klimaanlagen anfallende Kondensat weiter zu verwenden? Wie die Rice University in Houston (USA) vorrechnet, fallen in deren Klimaanlagen ca. 45 Mio. Liter Wasser pro Jahr an, für deren Bezug als Frischwasser man umgerechnet ca. 70.000 € bezahlen müsste (ca. 1,55 €/m³). Das Kondensat wird an der Uni als Ergänzungswasser zum Betrieb der Kühltürme verwendet.
Lohnt sich auch bei uns die Weiterverwendung des Kondensats aus einer Klimaanlage? Bei 32 °C und einer Feuchte von 40 % hat Außenluft eine absolute Feuchte von 12 g/kg. Wenn diese im RLT-Gerät auf eine Zulufttemperatur von 18 °C konditioniert wird, fallen dabei 2,5 g Kondensat pro kg beziehungsweise 3,0 g Kondensat pro m³ Luft an. Bei einem Luftvolumenstrom von 20.000 m³/h sind das 60 l Wasser pro Stunde und bei 10 Stunden Betrieb etwa 600 l Wasser pro Tag. Setzt man 100 Vollnutzungstage der RLT-Anlage an, ergeben sich 60 m³ Kondensatwasser pro Jahr. Würde man dieses Wasser aus dem Trinkwassernetz beziehen, würde es bei 4 €/m³ etwa 240 € pro Jahr kosten - ein eher überschaubarer Betrag gemäß dieser überschlägigen Rechnung.
Damit stellt sich die Frage, ob sich ein System zur Weiterverwertung von Kondensat aus Klimaanlagen – abgesehen von dem sinnvollen ökologischen Aspekt des Wassersparens – auch wirtschaftlich rechnet. Haben Leser von cci Zeitung bereits Erfahrungen mit solchen Systemen? Kommentare und Beiträge sind sehr willkommen!

Dr.-Ing. Manfred Stahl, cci Dialog GmbH
Diese Frage finden Sie in den folgenden Kategorien: Klimatechnik

Antworten:
1.
Die immerwährende Diskussion in Deutschland um das "Wassersparen" in Deutschland verstehe ich teilweise überhaupt nicht.

1. Den ökologischen Aspekt des „Wassersparens“ gibt es bei uns kaum. Deutschland ist eines der wasserreichsten Länder der Erde, wir haben also genug Wasser. Das Wasser was wir nicht verbrauchen, wird ja in unserem Land auch nicht "gespart" sondern fließt irgendwann ins Meer. Auch das Nutzwasser fließt nach dem Durchlauf durch das Klärwerk dorthin.

2. Anders als bei begrenzen Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Lebensmittel etc.) habe andere Menschen auf der Welt und auch die Natur keinen Vorteil dadurch, dass wir weniger Wasser verbrauchen.

3. Den Wasserverbrauch zu reduzieren ist nur dann sinnvoll, wenn das Wasser aufwendig aufbereitet werden muss, z.B. erwärmt. Dann spare ich aber Heizenergie und die ist auch wirklich gespart, denn das nicht verbrauchte Öl befindet sich ja noch in meinen Tank.

4. Wenn wir achtsam mit unseren Ressourcen umgehen wollen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (Investitionen) den Verbrauch von begrenzten Rohstoffen reduzieren. Wasser ist in ganz vielen Ländern der Erde ein begrenzter Rohstoff aber nicht in Deutschland.

5. Die Rechnung bezüglich der Kondensatmengen hinkt. Bei uns hat man keine 100 Nutzungstage (1000 Std.) mit einem Außenluftzustand von 32°C/40%rF, sondern ziemlich genau 170 Std. im Jahr, wie von Herrn Stahl bei der Präsentation der neuen VDI 4710 im September in Frankfurt vorgetragen. Dann werden aus den 60 m³ ganz schnell 10 – 20 m³/h. Wenn man nicht in der Sahara wohnt, sollte man sich über diese Wassermengen keine Gedanken machen.

Sachverständigenbüro Tale-Yazdi, Schöneck
Georg Tale-Yazdi 17.11.2011 - 21.14 Uhr

Login
Ich bin bereits registriert

Passwort vergessen


NEU in cci Wissensportal?
hier erstmalig registrieren
Haben Sie Fragen?
+49(0)721/565 14-88