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14. Februar 2012 Autor: Dr. Manfred Stahl
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Leseranmerkung: Unmittelbare Umgebung des Lufteinlasses berücksichtigen

"Die wichtigste Informationsquelle, aus denen qualifizierte Rückschlüsse auf die allgemeine Luftqualität und damit auf ODA-Werte gezogen werden können, ist die unmittelbare Umgebung des Lufteinlasses (Außenluftansaugung). Daher können die von zentralen Stellen wie Air-Pollution Info oder den Umweltämtern gelieferten Werte auch nur Anhaltspunkte für einen Jahresdurchschnitt, die Anzahl der Überschreitungstage sowie einen Mindestgehalt an Schadstoffen in der Luft geben. Im Einzelfall können aber Umgebungseinflüsse aus dem unmittelbaren Umfeld des Gebäudes und des Lufteinlasses der Anlage die Werte noch erheblich erhöhen. Ich habe es im Rahmen der energetischen Inspektion von Lüftungs- und Klimaanlagen schon häufig erlebt, dass die Einlassöffnungen sehr ungünstige Positionen zu windgeschützten Hofbereichen mit Rangier- und Ladeverkehr, zu Auslässen anderer Anlagen oder zu sonstigen Schadstoffquellen hatten, die zu einer Bewertung als ODA 3 zwingenden Anlass gaben - obwohl die umliegende Landschaft eigentlich weiträumiger betrachtet eine gute Luftqualität erwarten ließ. Es ist daher zwingend erforderlich, sich sowohl bei der Planung als auch bei der energetischen Inspektion ein genaues Bild vom einzelnen Gebäude und seinen Luftverhältnissen rundum zu machen, um eine korrekte ODA-Einstufung vornehmen zu können.
Die dreistufige ODA-Einteilung gemäß der DIN EN 13779 kann dabei auch nur eine grobe Erstorientierung geben, da sich die verschiedenen Schadstoffe in den Lüftungsanlagen und Innenräumen und auf die betroffenen Menschen höchst unterschiedlich verhalten. Die DIN EN 13779 stuft die ODA-Bewertung daher auch nur als Groborientierung ein. Unter 6.2.3. Außenluft heißt es: „Als Ausgangspunkt wird die folgende Herangehensweise vorgeschlagen; (…) Da nicht für alle Verunreinigungen Anforderungen festgelegt sind und die vorhandenen Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind, ist eine differenzierte Beurteilung durch den Planer erforderlich. Die mögliche Wirkung nicht nur einzelner Verunreinigungen sondern auch von Verunreinigungsgemischen sollte berücksichtigt werden.“ Da entsprechend dem informativen Anhang A der DIN EN 13779 die ODA-Bewertung nur dem Abgleich mit typischerweise empfohlenen Mindestfilterklassen dienen soll, Filter aber auch immer einen Einfluss auf die Energieeffizienz sowie die Wartungskosten haben, muss hier bei der Planung oder den im Rahmen der energetischen Inspektion zu gebenden Verbesserungsempfehlungen unbedingt auch die ungefähre zeitliche Schwankung der Schadstoffbelastung in die Bewertung einfließen, die noch stärker von lokalen Gegebenheiten abhängt, als die Jahresdurchschnittswerte oder die Anzahl Tage mit Wertüberschreitungen. Gegebenenfalls muss die Lüftungsbranche dabei vermehrt dazu übergehen, die Filterung/Schadstoffreduzierung je nach momentaner Außenluftqualität unterschiedlich vorzunehmen, zum Beispiel durch geregelte Anlagenkomponenten, differenziertere Luftwechselraten, Vorfilterstufen mit Bypassen oder Ähnliches."
Werner Niklasch, Sachverständiger Energieeffizienz, Bauphysik und Klima, TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH, Frankfurt

Anmerkung der Redaktion: ODA-Wert bei der Inbetriebnahme des Gebäudes prüfen?
Wir Techniker und Ingenieure neigen bekanntlich zur Perfektion, und hier bietet uns der ODA-Wert ein unglaubliches Spielfeld. In einer Informationsveranstaltung brachte ein Fachplaner noch einen weiteren Aspekt. ODA-Werte werden meist in der Projektphase eines Bauvorhabens ermittelt, und daran orientiert sich dann die Planung der RLT-Anlage. Wenn sich nun aber die Realisierung des Bauvorhabens verzögert oder zwischen der Planung und der Inbetriebnahme ein bis zwei Jahre liegen (keine Seltenheit), könnte sich, durch welche Umstände auch, immer die Luftqualität am Standort durchaus verbessert oder verschlechtert haben: Müsste man dann korrekterweise nochmals eine ODA-Werte-Bestimmung durchführen? Denn dazu steht in der DIN EN 13779 im Kapitel 5.2 Grundsätze wie folgt: „Für die Planung ist eine Beschreibung der Umwelt-/Umgebungsbedingungen und der Bauart des Gebäudes zu beschaffen. Die gewünschten Ergebnisse, die zum Zeitpunkt der Übergabe und während des Normalbetriebs erforderlich sind, müssen angegeben und dokumentiert werden.“ Daraus könnte man durchaus folgern, dass bei der Inbetriebnahme des Gebäudes der ODA-Wert nochmals geprüft werden muss – oder was meinen Sie? Ihre Meinung an manfred.stahl@cci-dialog.de.

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Artikelnummer: cci12251

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