26. April 2019

Aus dem Inhalt

  • Umweltbundesamt (UBA): Korrigierte Zahlen zu Treibhausgasemissionen 2018
Bewertung (2) starstarstarstarstar
Kommentare (2) frei für angemeldete Mitglieder

Umweltbundesamt (UBA): Korrigierte Zahlen zu Treibhausgasemissionen 2018

Jährlich berechnet und veröffentlicht das Umweltbundesamt die "Klimabilanz" und stellt fest, wie sich die Treibhausgasemissionen in Deutschland entwickelt haben. Dieses Jahr gab es eine falsche und eine korrigierte Version. Hier beide im Überblick - "Schuld" waren übrigens der Tierbestand.

Hinweis der Redaktion: Unter "Anhänge" steht ein PDF mit aktuellen Tabellen und Grafiken zum Stand der Treibhausgasemissionen in Deutschland zur Verfügung.

So schreibt das Umweltbundesamt (UBA) am 5. April: "Nach Beseitigung eines Berechnungsfehlers in der Klimabilanz 2018, für den wir um Entschuldigung bitten, steht fest: Die geschätzten Rückgänge bei den Treibhausgasemissionen fallen etwas höher aus als zunächst mitgeteilt: Statt 4,2 % sind die Emissionen um 4,5 % im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen; statt 38 Mio. t wurden rund 41 Mio. t weniger Treibhausgase ausgestoßen."
Der Fehler beruht auf einer falschen Datengrundlage des Tierbestands. Dieser ist 2018 nicht gestiegen, sondern gesunken: bei Schweinen um rund 4 % und bei Rindern um rund 3 %. Ursächlich für den Fehler war, dass bei den Berechnungen für die Landwirtschaft nicht auf aktuelle Tierzahlen zurückgegriffen wurde. Der Korrektur liegt eine Neuberechnung der Treibhausgasemissionen des gesamten Bereichs der Landwirtschaft – also nicht nur die Korrektur der Tierzahlen – zugrunde. Statt eines Anstiegs der Emissionen in der Landwirtschaft um 0,7 %, wie zunächst falsch mitgeteilt, sind die Emissionen um 4,1 % gesunken.

Und daher lautet die aktualisierte Veröffentlichung des UBA nun wie folgt:

In Deutschland wurden 2018 insgesamt 865,6 Mio. t Treibhausgase freigesetzt - rund 41 Mio. t oder 4,5 % weniger als im Vorjahr. Das zeigt eine Prognoseberechnung des Umweltbundesamtes (UBA).
Damit wurde nach vier Jahren Stagnation erstmals wieder eine nennenswerte Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr erreicht. Deutliche Emissionsrückgänge gab es bei Energiewirtschaft und Haushalten. Auch im Verkehrssektor gingen die Emissionen leicht zurück. Gründe für diese Entwicklung sind der zurückgehende Verbrauch von fossilen Energien und die außergewöhnliche Witterung im Jahr 2018. Im Vergleich zu 1990 hat Deutschland seine Emissionen damit um 30,8 % gesenkt. Bis 2030 müssen die Emissionen nach Beschlusslage der Bundesregierung um mindestens 55 % gesenkt werden.

Grafik:

Abbildung: Entwicklung der Treibhausgasemissionen, aufgeschlüsselt nach Sektoren. in Deutschland (Abb. UBA)  Abbildung: Entwicklung der Treibhausgasemissionen, aufgeschlüsselt nach Sektoren. in Deutschland (Abb. UBA)


Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Deutschland hat 2018 deutlich mehr Energie aus Wind und Sonne gewonnen und zugleich weniger Kohle, Öl und Gas verbrannt. Nach Jahren der Stagnation gehen die CO2-Emissionen endlich wieder zurück. Das liegt zum Teil an Witterungs- und anderen Sondereffekten. Aber es zeigt auch: Klimaschutzmaßnahmen wie Ökostromausbau, Kohleausstieg und Emissionshandel wirken. Wir brauchen allerdings mehr davon, nicht nur bei der Stromerzeugung, sondern auch beim Verkehr, beim Heizen oder bei der Landwirtschaft. Damit wir unsere Klimaziele bis 2030 sicher erreichen, habe ich den Entwurf eines Klimaschutzgesetzes vorgelegt mit einem verbindlichen Fahrplan und klaren Verantwortlichkeiten. Dieses Gesetz muss in diesem Jahr beschlossen werden, ebenso wie Maßnahmenpakete in allen Bereichen, damit Deutschland wieder auf Zielkurs kommt."

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts: "Die Zahlen zeigen, wie wichtig die erneuerbaren Energien für den Klimaschutz sind. Im Jahr 2018 haben die erneuerbaren Energien rund 184 Mio. t CO2-Äquivalente vermieden. Den größten Beitrag mit knapp 75 Mio. t brachte die Windenergie. Umso wichtiger ist es, den Ausbau der Windkraft weiter voranzutreiben. Deshalb halten wir nichts von pauschalen Mindestabständen von Windenergieanlagen zu Wohngebieten. Das brächte den Ausbau der Windenergie ins Stocken. Umwelt- und Gesundheitsfragen sollten jeweils vor Ort individuell geprüft werden."

Von den insgesamt 41 Mio. t Minderung entfielen rund 14 Mio. t CO2 auf die Energiewirtschaft (4,5 % Senkung). Die Stromerzeugung ausregenerativen Energien nahm 2018 zu, die aus sämtlichen fossilen Energieträgern ging zurück – unter anderem aufgrund der Stilllegung von Kraftwerken. Den deutlichsten Emissionsrückgang verzeichnete die Steinkohle. Ein Faktor ist hier der infolge der Reform des EU-Emissionshandels gestiegene CO2-Preis. Im Laufe des Jahres wurden Steinkohle-Kraftwerke mit rund 1,5 GW Leistung stillgelegt beziehungsweise gingen in die Netzreserve. Ein weiterer Effekt war der Dürresommer 2018: Niedrige Wasserstände an den Flüssen führten zu geringeren Transportkapazitäten und damit zu höheren Steinkohlepreisen. Die Emissionen aus der Braunkohlenutzung sanken um etwa 3,6 Mio. t. Am 1. Oktober 2018 haben drei Kraftwerksblöcke (zwei in Niederaußem, einer in Jänschwalde) die Stromproduktion eingestellt. Die Emissionen aus der Erdgasverbrennung gingen ebenfalls leicht zurück.

Ein mit rund 15 Mio. t CO2 (beziehungsweise 10,9 %) deutlicher Emissionsrückgang im Vergleich zum Vorjahr ist im Bereich der Haushalte und Kleinverbraucher (=übrige Feuerungsanlagen) zu verzeichnen. Besonders beim Heizöl ist der Absatz 2018 deutlich gesunken. Eine Erklärung dafür ist die milde Witterung und der damit verbundene geringere Brennstoffbedarf. Eine andere Ursache sind wiederum die infolge des Dürresommers niedrigen Wasserstände vieler Flüsse: In vielen Fällen konnten die Frachter die Flüsse nicht befahren, was zu Heizöl-Knappheit und höheren Preisen führte. Zahlreiche Kunden dürften daher den Heizölkauf auf das Jahr 2019 verschoben haben.

Im Verkehrsbereich sanken die Emissionen um rund 5 Mio. t beziehungsweise 2,9 %. Dieser Rückgang betrifft nicht nur Ottokraftstoffe, sondern erstmals seit vielen Jahren auch Dieselkraftstoff. Eine Erklärung könnten die höheren Preise für Benzin (+ 7 % gegenüber Vorjahr) und Diesel (+12 % gegenüber Vorjahr) sein.

In der Industrie sanken die Emissionen 2018 um rund 4 Mio. t (2,8 %). Für den Maschinenbau und die pharmazeutische Industrie geht die Prognose von gestiegenen Emissionen aus, für die Stahlproduktion, die Chemieproduktion und die Automobilindustrie von sinkenden Emissionen.

In der Landwirtschaft sanken die Treibhausgas-Emissionen um 4,1 %. Die treibenden Größen sind abnehmende Tierzahlen (Rinder -2,9 %, Schweine -4,1 %). Der Mineraldüngereinsatz (-9,8 %) ging in Folge der Anwendung der neuen gesetzlichen Regelungen und klimatisch bedingt zurück. Auch die witterungsbedingten Ernteausfälle wirkten emissionsmindernd.

Auch im Abfallsektor sanken die Emissionen um 5,3 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser anhaltende Rückgang geht maßgeblich auf die Entwicklung im Bereich der Abfalldeponierung zurück. Seit 2005 dürfen in Deutschland keine biologisch abbaubaren Abfälle mehr deponiert werden, was sich neben Abfalltrennung und Recycling bei den Emissionen positiv bemerkbar macht.

Zur Genauigkeit der Daten:
Die Ergebnisse sind erste Detailschätzungen, also eine mit entsprechenden Unsicherheiten verbundene Prognose. Sie leiten sich aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der im Januar 2019 veröffentlichten detaillierten Treibhausgasemissionsberechnungen des Jahres 2017 ab. Zugrunde gelegt wurden von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen veröffentlichte erste Berechnungen zum Primärenergieverbrauch (PEV) für das Jahr 2018, amtliche Monatsstatistiken zum Energieverbrauch, vorläufigen Absatzzahlen der Mineralölstatistik des BAFA und Produktionsdaten von Industrieverbänden. Durch diesen Berechnungsansatz ist die Genauigkeit dieser Schätzung zwangsläufig geringer als die der Detailberechnungen für die Vorjahre. Es sei darauf hingewiesen, dass mit den veröffentlichten Schätzungen zum PEV für 2018 auch Veränderungen der PEV-Angaben für 2017 bekannt wurden. Diese können allerdings erst im Rahmen der nächsten detaillierten Berechnungen im Verlauf des Jahres berücksichtigt werden.

Die vollständigen offiziellen Inventardaten zu den Treibhausgasemissionen in Deutschland für das Jahr 2018 veröffentlicht das Umweltbundesamt zum 15. Januar 2020 mit der Übermittlung an die Europäische Kommission.
 

© cci Dialog GmbH
Jede Art der Vervielfältigung, Verbreitung, öffentlichen Zugänglichmachung oder Bearbeitung, auch auszugsweise, ist nur mit gesonderter Genehmigung der cci Dialog GmbH gestattet.
 
Artikelnummer: cci77192

Kommentare (2):

Dieser Artikel sollte den "Friday for Future" Kindern erklärt werden.
Aber unser Bildungssystem hat (wieder mal) insofern versagt, dass es den "Streikern" nicht klar ist, dass das Industrieland Deutschland schon die weltweit sichersten Kernkraftwerke abschaltet und nun die saubersten Kohlekraftwerke, dass wir trotz der Dieselaffäre noch immer die saubersten Autos bauen (und haben) und im Bauwesen die EU-Regeln am strengsten umsetzen (die Häuser in Brandbeschleuniger einpacken). Warum führt den Kindern denn keiner vor Augen, was in anderen Ländern "noch" in die grenzenlose Luft gepustet wird? Z. B.:
In China brennen riesige Kohleflöze und bedrohen Großstädte. Die Feuer gelten als eine der größten ökologischen Katastrophen der Welt.
https://www.sueddeutsche.de/wissen/brennende-kohlefloeze-feuer-unter-der-erde-1.291416
Indien setzt auf den Klimakiller: Die Regierung will zahlreiche neue Kohlekraftwerke bauen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/indiens-kohlekraftwerke-gefaehrden-das-klima-a-1004118.html
USA und China sind die beiden anderen größten CO2-Emittenten.
Wie "gut" sind die Kohlekraftwerke in Russland etc.?
Wie umweltfreundlich sind die Raffinerien in den arabischen Staaten?
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/40630/umfrage/saudi-arabien---raffineriekapazitaeten-fuer-erdoel/

Trauen sich heutzutage keine Berichterstatter mehr an solche Themen? Das müsste den Klimastreikern unter die Nase gehalten werden - und dass Deutschland nur ca 2% Einfluss überhaupt hat...

Da würde sich schon eher lohnen, gegen die Milankowitsch-Zyklen zu streiken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Milankovi%C4%87-Zyklen
Aber so weit denken unsere Bildungspolitiker mit den fragwürdigen Dr.-Titeln eher nicht.
Hans Kranz 27.04.2019
Leider laufen in Deutschland nicht nur "saubere" Kohlekraftwerke. Im Rheinischen Braunkohlerevier stehen mit der BOA 1 & 2 sehr effizienzte Kraftwerke (Wirkungsgrad 44 %). Leider auch noch alte (aber abgeschriebene) Kraftewerke mit miserablen Wirkungsgraden von 30 - 33 % (z. B. Weisweiler bei Aachen). Wo Licht ist, ist halt auch Schatten.

Die Bundesrepublik hat sich zu den Klimazielen bekannt und der Verweis auf den geringen Einfluss sowie die "schmutzigen" Nachbarn und weitere Staaten hilft nicht.

Bei einem "Weiter So" werden wir in vielen Bereichen (Erneuerbare Energien, E-Mobilität, PowertoGas etc.) den Anschluss verlieren.
Keiner wünscht sich doch die rußgeschwärzten Häuser und Autos der 1960er Jahre zurück. Da blühte die Wirtschaft, aber das Ruhrgebiet war sicherlich kein so lebenswerter Flecken wie heute.

Prof. Christian Fieberg, Direktor am Westf. Energieinstitut der Westfälischen Hochschule
Christian Fieberg 29.04.2019

Login

Passwort vergessen


Tel.: +49(0)721/565 14-88

Ihre Ansprechpartnerin

as.jpg





Sabine Andresen
Technik, Markt- und
Branchengeschehen
Am Puls der LüKK
Fon +49(0)721/565 14-0
Fax +49(0)721/565 14-50
mail_grau_sabine.andresen

Ratgeberreihe

cci Buch VDE Lüftung Klima

 

Was sagt mir die Ampel?

ampel_gruen_klein

Sie haben Zugriff auf den gesamten Inhalt des Artikels
ampel_gelb_klein

Sie haben Zugriff auf Teile des Artikels
ampel_rot_klein

Sie haben aktuell keinen Zugriff auf den Artikel

Angemeldete Benutzer sehen mehr „Grün“ als Gäste.
Und nur ein angemeldeter Benutzer kann gesperrte Artikel durch Kauf öffnen.
Mehr dazu …

Mitglied werden - Mitreden

Forum NetzwerkSpectral-Design - Fotolia.com

 

Als Mitglied von
cci Wissensportal können Sie nicht nur Fragen und Antworten einsehen, sondern auch mitmachen.
Registrieren Sie sich gleich!