27. Juli 2015 Autor: Rolf Grupp (Bearbeiter)

Aus dem Inhalt

  • Antworten der Leser
Bewertung empty starempty starempty starempty starempty star
Kommentare (0) frei für angemeldete Mitglieder

cci Forum: Gesundheitsrisiko durch ausströmendes Kältemittel

Multisplit- und VRF-Klimasysteme findet man in vielen BB-Hotels, wo sie vermutlich auch die Trinkwassererwärmung besorgen. In einem Punkt sehe ich aber ein erhebliches Risiko, für das es meines Wissens noch keine Richtlinie gibt: Kommt es in meinem 'kleinen Gästezimmer' zu einer Leckage, dann besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die gesamte im System befindliche Kältemittelmenge in mein Zimmer ausströmt.
Die Frage ist: Werde ich das überleben? Gibt es technische Lösungen, die das verhindern?
Normalerweise werden derartige Gefahren durch die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft (UVV, seit 2000: Berufsgenossenschaftliche Vorschriften für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, BGV) gesetzlich reguliert.

Antworten der Leser

1.
Anmerkung der Redaktion
Das Sicherheitsdatenblatt für R410A beispielsweise erläutert unter dem Punkt "Einatmen":
"Hohe Konzentrationen können Ersticken verursachen. Symptome können Verlust der Bewegungsfähigkeit und des Bewusstseins sein. Das Opfer merkt das Ersticken nicht."
Rolf Grupp (Redaktion), 20.02.2015

2.
Die Gefahren, die aus dem Austritt größerer Kältemittelmengen in Anlagen mit im Gebäude verteiltem Kältemittel resultieren, sind nicht von der Hand zu weisen. Daher ist der Errichter (Bauherr, Planer, Installateur im jeweiligen Zusammenspiel) wie der Betreiber verpflichtet, eine Gefährdung im Rahmen des Möglichen zu minimieren. Hierzu gibt es fachlich schon lange eine Richtschnur, die DIN EN 378 'Kälteanlagen und Wärmepumpen - Sicherheitstechnische und umweltrelevante Anforderungen' (vier Teile). In Ihr sind die Gefährdungen ebenso wie die sinnvollen Gegenmaßnahmen aufgeführt. Zu beachten sind dabei sowohl schleichende Leckagen wie schlagartige Leckagen größeren Umfangs (auch wenn diese erfreulicherweise bislang sehr selten sind).
Es empfiehlt sich, bei der Planung, Ausführung und Inbetriebnahme solcher Anlagen grundsätzlich die Begleitung durch einen Sachverständigen in Anspruch zu nehmen, der die Gefährdung qualitativ wie rechnerisch (Sauerstoffverdrängung, Abkühlung, Überdruckaufbau usw.) beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen vorschlagen sowie die Umsetzung der Schutzmaßnahmen während der Ausführung überprüfen und die Abnahme der Leistungen begleiten kann.

Werner Niklasch (Sachverständiger/Fachreferent Energieeffizienz, Bauphysik und Klima, Produktmanager Energetische Inspektion gebäudetechnischer Anlagen TÜV Süd), 20.02.2015


3.
Die Bedenken des Lesers und die Anmerkungen der Redaktion sind vollkommen berechtigt. Kältemittel, wie beispielsweise das momentan für Klimasysteme gängige R410A, verdrängt in hohen Konzentrationen den Sauerstoff in einem geschlossenen Raum. Die Gefahr des Erstickens ist gegeben. Da Kältemittel häufig geruchlos sind, werden sie unter Umständen erst spät erkannt. Aus diesem Grunde sind in der DIN EN 378 Teil 2 'Konstruktion, Herstellung, Prüfung, Kennzeichnung und Dokumentation' die zulässigen Kältemittelkonzentrationen geregelt. Die Norm beschreibt, welche Konzentration bestimmte Kältemittel im Raum erreichen dürfen. Beim Überschreiten der ermittelten Grenzwerte müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, welche die Nutzer des Raums alarmieren. Gängige Alarmeinheiten sind Gasdetektoren, die die Kältemittelkonzentration in Räumen zuverlässig erkennen und einen akustischen und optischen Alarm auslösen.

Sascha Pohl, Produktmanager Klimageräte, Swegon, 20.02.2015


4.
Wenn der praktische Grenzwert der DIN EN 378 Teil 1 'Grundlegende Anforderungen, Begriffe, Klassifikationen und Auswahlkriterien' Anhang E eingehalten wird, sollte es keine Probleme geben. Siehe auch Anhang F.

Karl-Heinz Thielmann, GVS Kälte-Klima-Technik GmbH, Tiefenbronn-Mühlhausen, 20.02.2015


5.
Anmerkung der Redaktion
Die Hersteller bieten hier Lösungen. Der "VRV IV" von Daikin beispielsweise hat eine standort- und zeitunabhängige Dichtheitsprüfung des Kältemittelsystems.
Rolf Grupp (Redaktion), 20.02.2015

© cci Dialog GmbH
Jede Art der Vervielfältigung, Verbreitung, öffentlichen Zugänglichmachung oder Bearbeitung, auch auszugsweise, ist nur mit gesonderter Genehmigung der cci Dialog GmbH gestattet.
 
Artikelnummer: cci38731

Login

Passwort vergessen


Tel.: +49(0)721/565 14-88

Ratgeberreihe

cci Buch VDE Lüftung Klima

 

Was sagt mir die Ampel?

ampel_gruen_klein

Sie haben Zugriff auf den gesamten Inhalt des Artikels
ampel_gelb_klein

Sie haben Zugriff auf Teile des Artikels
ampel_rot_klein

Sie haben aktuell keinen Zugriff auf den Artikel

Angemeldete Benutzer sehen mehr „Grün“ als Gäste.
Und nur ein angemeldeter Benutzer kann gesperrte Artikel durch Kauf öffnen.
Mehr dazu …

Mitglied werden - Mitreden

Forum NetzwerkSpectral-Design - Fotolia.com

 

Als Mitglied von
cci Wissensportal können Sie nicht nur Fragen und Antworten einsehen, sondern auch mitmachen.
Registrieren Sie sich gleich!