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5. Dezember 2016 Autor: Jürgen Luft/André Hentschel

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Dichtheitsprüfung an Ab- und Fortluftleitungen in Küchen

Die Dichtheit von Ab- und Fortluftleitungen in Küchen sind ein immer aktuelles und wichtiges Thema. Schornsteinfegermeister André Hentschel, Siumtec GmbH, Hamburg, und Jürgen Luft, Wöhler Technik GmbH, Bereichsleiter Lüftung/Gebäude, Bad Wünnenberg, haben hierzu ihre Erfahrungen ausgetauscht und stellen den Mitgliedern von cci Wissensportal ihre Dokumentation zur Verfügung.


Jürgen Luft, Wöhler Technik GmbH, Bereichsleiter Lüftung/Gebäude, Bad Wünnenberg (Abb. Luft)    Jürgen Luft, Wöhler Technik GmbH, Bereichsleiter Lüftung/Gebäude, Bad Wünnenberg (Abb. Luft)
Jürgen Luft:
Sie sind vor über zehn Jahren der Erste gewesen, der ein Dichtheitsprüfgerät für Luftleitungen gekauft hat, um es für die Überprüfung von Küchenabluftleitungen einzusetzen. Zugrunde lag ein interessanter Fall, der Sie veranlasst hat, nach einer Prüfmöglichkeit zu suchen.


André Hentschel, Siumtec GmbH, Hamburg (Abb. Hentschel)  André Hentschel, Siumtec GmbH, Hamburg (Abb. Hentschel)
Andre Hentschel:
Es handelte sich um ein Restaurant mit historischer Stuckdecke, wo ich etwa ein Jahr zuvor die Küchenabluftanlage abgenommen hatte. Danach zeigte sich ein Schadensfall in Form eines riesigen Fettflecks an der Decke. Es wurden daraufhin Regressforderungen an mich gestellt mit der Begründung, ich hätte die Anlage ja abgenommen. Damals habe ich mir nicht nur Gedanken gemacht, wie ich aus der Sache heraus komme, sondern vor allem auch, wie ich künftig die Abnahme objektiver durchführen und dokumentieren kann.

Luft:
Seitdem prüfen Sie Küchenabluftleitungen auf Dichtheit und zwar Klasse D nach DIN EN 13779 ("Lüftung von Nichtwohngebäuden ")?

Hentschel: Ja, allerdings hat sich zwischenzeitlich die Bauordnung in Hamburg geändert, sodass ich nicht mehr so häufig Abnahmemessungen durchführe. Bei den wiederkehrenden Prüfungen findet man jedoch sehr oft Mängel, die durch einen Dichtheitstest hätten vermieden werden können. Die Erkenntnisse aus einem solchen Dichtheitstest sind ja gerade bei Küchenabluftleitungen von brandschutztechnischer Relevanz. Leider ist diese Prüfmöglichkeit im Rahmen einer Abnahme nach DIN EN 12599 "Lüftung von Gebäuden - Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen" viel zu wenig bekannt. Und leider ist auch hier zu bemängeln, dass Abnahmen nur in dem beschränkten Umfang durchgeführt werden. Immer wieder stößt man an Grenzen, wenn es um Informationen und vor allem die Dokumentation geht, insbesondere an der Schnittstelle Gebäudeeigentümer und Betreiber. Wie notwendig Abnahme- und Instandhaltungsdokumentation für den sicheren Betrieb sind, wird nicht gesehen. Aber auch unter dem Gesichtspunkt Energieeinsparung sollte man Abnahmemessungen an so mancher Küchenabluftanlage sehen – insbesondere in Bezug auf Druckverluste.

Luft: Das Prüfverfahren hat sich also bewährt, und Sie prüfen die Dichtheitsklasse D nach DIN EN 13779, obwohl in der DIN 18869 Teil 4 ("Großküchengeräte - Einrichtungen zur Be- und Entlüftung von gewerblichen Küchen - Teil 4: Luftleitungen, Ausführung und Dimensionierung") nur Dichtheitsklasse B nach DIN EN 12237 ("Lüftung von Gebäuden - Luftleitungen - Festigkeit und Dichtheit von Luftleitungen mit rundem Querschnitt aus Blech") beziehungsweise DIN EN 1507 ("Lüftung von Gebäuden - Rechteckige Luftleitungen aus Blech - Anforderungen an Festigkeit und Dichtheit") für Ab- und Fortluftleitungen gefordert wird?

Hentschel:
Nach dieser damals sehr LüKK Trotz des Einsatzes einer Videoinspektionskamera, die für die Dokumentation sehr hilfreich ist, sind Leckagen nicht unbedingt optisch erkennbar.
Andererseits ist aber auch die Dichtheitsklasse B nicht ausreichend, wenn man die an anderer Stelle in der DIN 18869 Teil 4 aufgeführte Forderung erfüllen soll: „Ab- und Fortluftleitungen und deren Verbindungen müssen aerosolatdicht ausgeführt sein, sichtbarer Aerosolataustritt darf nicht auftreten.“ Wenn die Ab- und Fortluftleitungen tatsächlich aerosolatdicht sein sollen, sollten diese auch die Dichtheitsklasse D erfüllen können. Die Dichtheitsklasse D stellt einen gewissen Qualitätsstandard der jeweiligen Produktion dar und der oft vorgebrachte Einwand „Muss ja nur an der Unterseite dicht sein“ ist sehr fragwürdig - oder wie wird herstellerseitig geprüft?

Luft: Hierzu kann ich ergänzend erläutern bzw. verbildlichen: Die in der DIN 18869 Teil 4 geforderte Dichtheitsklasse B bedeutet zum Beispiel auf eine Luftleitungsoberfläche von 120 m² bezogen eine Öffnung von rund 55 mm. Selbst wenn sich diese Fläche auf viele Stellen aufteilt, ist dies eine deutlich zu große Fläche, um Aerosolatdichtheit zu gewährleisten. Damit wird klar, Aerosolatdichtheit ist deutlich mehr als die Luftdichtheit nach Lüftungsnorm. Ich habe mal eine Ausschreibung gesehen, da wurde für die Abnahme das Befüllen der Abluftleitung einige cm hoch mit Wasser gefordert.

Hentschel:
Das dürfte wohl in den wenigsten Fällen praktikabel sein. Und zudem kann Fett dünnflüssiger sein als Wasser – und vor allem auch aggressiver.
Ich habe tatsächlich einen Fall kennengelernt, da hat ein Sachverständiger, um sich selbst zu überzeugen, mit Wasserbefüllung nachgeprüft - der Schadensfall wurde dadurch sichtlich nicht geringer!

Luft:
Besonders die asiatische Küche kennt Öle, die so manche Dichtmaterialen an die Grenze bringen. Die (dauerhafte) Aerosolatdichtheit ist somit eine Forderung, die genau genommen nicht im Rahmen einer Abnahme geprüft werden kann, hier sind auch die Hersteller der Dichtmassen gefragt.

Hentschel: Die Prüfung der höchsten Dichtheitsklasse D bei der Abnahme bestätigt somit zwar nicht die hundertprozentige Aersolatdichtheit, hat sich aber als aussagefähige und praktikable Abnahmemessung bewährt. Der Anlagenbauer geht vor allem auch eher Gewährleistungsfragen aus dem Weg, denn tropfende Verbindungen sind nach entsprechender Benutzungsdauer leicht zu erkennen. Man muss hier unterscheiden gegenüber der Abnahme einer „normalen“ Luftleitung in einer RLT-Anlage, die „nur“ aus energetischen Gründen dicht sein sollte. Man kann das auch mal im rechtlichen Sinne betrachten: Hat man die Luftdichtheit zusätzlich zur Sichtprüfung getestet (und dokumentiert), dann wurde in dem Sinne alles getan, um mit vertretbarem Aufwand den Brandschutz sicher zu stellen.

Luft: Wie sehen Sie in dem Zusammenhang die Verwendung von Wickelfalzrohren für Küchenabluftleitungen, die man oft gerade in manchem SchnellImbissen sieht?
Nach den Anforderungen an Rauch- und Dunstabzüge der Landeshauptstadt München sind Wickelfalzrohre nur zulässig, wenn sie für diesen Zweck geeignet sind, wobei ein Herstellernachweis gefordert wird. In der DIN 18869 Teil 4 heißt es zudem „An der Unterseite der Luftleitungen sind Falze zu vermeiden“. Sind damit Wickelfalzrohre nicht per se aus der Praxis zu verbannen?

Hentschel: Es gibt Wickelfalzrohre mit Dichtschnur im Falz, die eine erhöhte Kondensatdichtheit aufweisen, die aber als solche nicht von außen erkennbar ist. Aus diesem Grund ist die bewährte Methode, längsgefalzte Rohre mit Falz nach oben zu montieren, zu bevorzugen. Man darf jedoch nicht übersehen, dass die Verbindungsstellen immer den größten Schwachpunkt darstellen und der montageseitigen Beachtung bedürfen.

Luft: Die Dichtheit einer Ab- und Fortluftleitung wird also immer erst durch die bauseitige Abdichtmaßnahme sichergestellt. Diesbezüglichen Herstellerempfehlungen sollte also Folge geleistet werden, wie zum Beispiel dem zusätzlichen Einsatz einer Dichtmasse zwischen den Lippendichtungen. Es ist keinesfalls richtig, wenn eine Aussage über die Dichtheit seitens des Luftleitungsherstellers ohne jegliche Dichtheitsprüfung vor Ort als gegeben übernommen und dokumentiert wird.
Sehen Sie mit dauerelastischen und gegen Aerosolate unempfindliche Dichtungsmaterialien hergestellte gefalzte Verbindungen als ausreichend an oder würden Sie eher die gerade aktuell im Rahmen der Überarbeitung der DIN EN 15780 ("Lüftung von Gebäuden - Luftleitungen - Sauberkeit von Lüftungsanlagen") geführte Diskussion unterstützen, wonach aufgrund der eingesetzten Reinigungsmethode dicht geschweißte Luftleitungen notwendig werden können?

Hentschel: Sie sagen, dass in der DIN EN 15780 künftig für Küchenabluft Dichtheitsklasse D gefordert werden soll. Das kommt meinen Erfahrungen nahe. Bezüglich weitergehender Vorteile geschweißter Systeme, die vermutlich vorrangig in Großküchen zum Einsatz kämen, möchte ich mir kein Urteil erlauben und viel lieber auf den Handlungsbedarf in so mancher Kleinküche hinweisen, wo nicht immer eine fachkundige Montage vorliegt und vor allem durch die mangelnde Wartung eine hohe Brandgefahr gegeben ist, auch weil dort keine automatischen Feuerlöscheinrichtungen vorhanden sind.

Luft: Auf die Reinigungsmethoden wollen wir hier jetzt nicht eingehen, zumal da Meinungen und Praktiken sehr stark auseinandergehen. Leider hat man in der Normenreihe DIN 18869 auf Verschmutzung und deren Beseitigung keinen Bezug genommen, sodass jetzt beabsichtigt ist, in EN 15780 Ergänzungen auch hinsichtlich der Reinigungsmethoden vorzunehmen. Wie sehen Sie den Aufwand für Dichtheitstests an Ab- und Fortluftleitungen in Küchen? In der DIN EN 12599 wird die Messung des Leckluftstroms generell während der Montage der Anlage empfohlen. Lässt sich das in Küchen auch so realisieren?

Hentschel: Der Aufwand ist vergleichsweise gering, wenn der Dichtheitstest zum rechten Zeitpunkt ausgeführt werden kann und muss nicht höher sein als bei einer normalen RLT-Anlage.

Luft: Was empfehlen Sie aus Ihrer Erfahrung für die Planung von Küchen und insbesondere die dichte Ausführung von Ab- und Fortluftleitungen?

Hentschel: Die Grundsätze der leider oft noch unbekannten Normenreihe DIN 18869 und der VDI 2052 sollten beachtet werden. Eine verbindliche Abnahme sollte mit Dichtheitstest ausgeschrieben und auch durchgeführt werden. Die VDI 2052 verweist diesbezüglich auf die DIN EN 12599 und den zusätzlichen Dichtheitstest nach DIN 18379 ("VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Raumlufttechnische Anlagen "). Die Abnahme- und Messprotokolle müssen vor allem in der Folge auch dem Betreiber zur Verfügung stehen.

Luft: Letzte Frage: Was ist damals mit der historischen Stuckdecke in dem Restaurant passiert?

Hentschel: Die Sanierungskosten wären mir in die Schuhe geschoben worden. Letztendlich wurden die Kosten im fünfstelligen Bereich jedoch von der Versicherung des Betreibers getragen. Solche Fälle sind mir seitdem erspart geblieben. Sicher weil ich Glück hatte, aber ganz sicher auch, weil ich das aus meiner Sicht notwendige an Inspektions- und Prüfmaßnahmen durchgeführt habe.

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Artikelnummer: cci51565

Kommentare (1):

Wir können die getroffenen Aussagen von Herrn Luft und Herrn Hentschel, ebenfalls bestätigen. Ergänzend möchte ich noch darauf hinweisen, dass aus unserer Sicht das Hauptproblem nicht die Luftleitungsbauteile an sich darstellen sofern bei deren Herstellung fettbeständige Dichtstoffe verwendet wurden (wie z.B. MEZ-PLAST 580), sondern die bei der Montage verwendeten Vorlegebänder und Dichtstoffe. Oft entsteht das Problem auch erst nach der ersten Reinigung, wenn die zusätzliche "Abdichtung" durch alte Fettablagerungen entfällt und durch Reinigung und Reinigungsmittel minderwertige Dichtbänder und Dichtstoffe beschädigt werden. Unsere Empfehlung lautet daher entweder PTFE Dichtbänder zu verwenden (worauf auf Kostengründen meist verzichtet wird!) oder ein anderes geschlossenzelliges, hochwertiges Dichtband in Kombination mit einem entsprechenden Dichtstoff.

Viele Grüße, Jörg Mez
Jörg Mez 19.12.2016

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